Leben & Arbeiten

Dem Müll sei dank!

Wie gut das der Müll heute meine Laufroute bestimmt hat.

Die Überschrift mag auf den ersten Blick mal wieder etwas verwirrend sein, aber ich erkläre sofort worum es geht. Ich war eben gerade joggen – trotz der -4 Grad und spiegelglatten Straßen in Berlin. Ich habe recht gute Winterlaufschuhe und wollte mich nur kurz etwas sportlich bewegen. Von meiner Wohnung aus gibt es eine Runde für die ich knapp 30 bis 35 Minuten brauche. Wie es bei einer Runde so ist, kann man sie in zwei Richtungen laufen. Da ich noch zu den Mülltonnen musste, entschied ich mich die Runde ausnahmsweise einmal andersrum als üblich zu laufen.

Als ich knapp 10 Minuten unterwegs war, sah ich von weitem etwas im Schnee rundern. Ich dachte zuerst, dass es sich um ein spielendes Kind handelte. Als ich näher kam, stellte ich fest, dass es ein älterer Herr war. Er war gestürzt und kam bei dem spiegelglatten Boden nicht mehr von allein auf die Beine. Ich hielt an und fragte ihn, ob ich ihm helfen könnte. Er sagte, dass er nicht mehr hoch komme und ich ihm dabei helfen könnte. Zunächst reichte ich ihm meinen Arm, aber er war einfach zu schwach selber zu stehen. Seine Hände waren zerkratzt und blutig und die Beine von dem Versuch aufzustehen geschwächt.

Es fragte, ob ich ihm ins Auto helfen könnte. Das stand knapp 10 Meter entfernt. Der Weg dorthin war von 30 Zentimeter hohem Schnee versperrt. Ich versuche ihn im Klammergriff vor meiner Brust bis zum Auto zu schleppen. Kurz vor der Bordsteinkannte verließen mich dann meine Kräft. Harri – so wie er sich später vorstellte – musste knapp 100 Kilo wiegen. Ich musste ihn bitten die letzten 2 Meter bis zur Straße zu krabbeln. Ich konnte ihn einfach nicht mehr tragen. Währenddessen schloss ich sein Nissan Micra, steckte den Schlüssel ins Zündschloß und verstaute seine Tasche hinter dem Fahrersitz.

Mit allerletzter Kraft hob ich Harri hoch und buchsierte ihn auf den Fahrersitz. Dann bat ich ihn den Motor anzumachen, damit es warm wird. Mit Tränen in den Augen erzählte er mir, dass er seine Frau im Pflegeheim Berlin besucht hat und einfach ausgerutscht ist und von allen nie hochgekommen wäre. Dummerweise lag er auch in einer Ecke die von der Straße nicht direkt einzusehen ist – Fußgänger verirren sich nur selten dorthin. Ich blieb noch kurz bei ihm und achtete darauf, dass es ihm auch wirklich gut ging. Nach einigen Minuten hatte er langsam wieder Farbe bekommen. Er kam zu Kräften. Natürlich habe ich ihn auch mehrfach gefragt, ob sonst alles in Ordnung und nichts gebrochen ist. Er bejahte und es schien im sichtlich besser zu gehen.

Zum Schluss bat er mich noch ihm meine Kontaktdaten dazulassen. Er will sich nochmal melden und bedanken. Ungern lies ich ihn wegfahren und schaute noch hinterher bis sein Wagen nicht mehr zu sehen war.

Dem Müll sei dank bin ich zuerst dort entlang gelaufen. Nicht vorzustellen was vielleicht passiert wäre, wenn ich Harri 20 Minuten später erst getroffen hätte.



3 Kommentare

  1. killerface sagt:

    Ich finde es toll das du Zivilcourage gezeigt hast, manche wären ja einfach weitergegangen. Top!

  2. Silvia sagt:

    Toll. Sowas sollte es öfters geben, dieses bedingungslose Helfen.
    Schreib uns mal, ob er sich nochmal gemeldet hat!

  3. Katrin sagt:

    Ich find gut, dass du bei dem Mann beblieben bist bis es ihm wieder gut ging. Das tat dem Herren bestimmt gut!

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