Manchmal wünschte ich, es wäre wieder DDR.
Die Idee zu dem folgenden Artikel ist mir in der Diskussion mit Ramin zu meinem Artikel Generation Undecided gekommen – den ich vermutlich nie geführt hätte, wenn ich heute in der DDR leben würde. Das ist nur einer von vielen Gründen, wieso ich mir die DDR nicht zurück wünsche. Aber es geht erstmal los:
Ich wäre bestimmt ein guter Bürger der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) geworden. Die wenigen Jahre, die ich in ihr verbracht habe, waren aus Sicht meiner kindlichen Erinnerung glücklich. Ich war ein sehr guter Schüler und vorbildlicher Jungpionier. Meine Erzieher und Lehrer haben sehr viel von mir gehalten. Meine frühere Kindergärtnerin hat einmal zu meiner Mutter gesagt, dass aus mir bestimmt etwas werden würde.
In der Grundschule hatte ich – außer in Sport – nahezu nur Einsen. Ich kann mich an kein Jahr erinnern, an dem ich nicht eine Auszeichnung für Fleiß, Ordnung, Mitarbeit und Benehmen bekommen habe. Das gemeinsame Lernen im Hort und die Pioniernachmittag waren gut organisiert, so dass meine Mutter ohne Probleme in Vollzeit ihrem Beruf nachgehen konnte. Arbeit gab es immerhin genug, wenn auch manchmal nicht genug Material und Mittel.
Einem solch vorbildlichem Schüler standen auch in der DDR nahezu alle – allerdings abzählbar wenige – Wege offen. Vermutlich wäre ich nach der Grundschule auf eine Polytechnische Oberschule (Gymnasium) gewechselt. Danach wäre ich vermutlich als Offizier zur NVA gegangen und hätte dort studiert oder man hätte mich in einen volkseigenen Betrieb gesteckt und erstmal ausgebildet. Es wäre sicher irgendwas Technisches geworden. Im Anschluss daran (oder auch währenddessen?) hätte ich studiert und würde jetzt Ingenieur sein. Mit ein wenig Glück würden weitere akademische Ehrungen wie Doktor oder Professor dazukommen. Ich hätte natürlich auch eine Frau gehabt mit der ich der DDR zwei Kinder geschenkt hätte. Ende.
Damit will ich zum Ausdruck bringen, dass mein Leben in der DDR vermutlich “einfacher” gewesen wäre. Ein weiteres Beispiel: Es hat sich nie die Frage nach Voll-, H- oder Fit-Milch gestellt. Es gab Milch oder keine. Versteht Ihr was ich sagen will?
In Bezug auf Generation Undecided: Man hat uns nie erzählt, dass wir alles werden und machen können was wir wollen. Der Weg wurden den Bürgern der DDR ziemlich restriktiv vorgegeben. Ich konnte nicht alles werden was ich wollte.
UND DAS IST SCHLECHT!


Ich bin auch in der DDR auf die Welt gekommen. Allerdings war ich noch nicht mal ganz 5 als die Mauer gefallen ist. Und anschließend wuchs ich ja dann im schönen Süddeutschland auf. Und nun wohn ich auf dem Dorf und trink am liebsten Sojamilch *g*
Geschadet hats uns bestimmt nicht und es gab viele Werte, die ich mir heute wünschen würde, wie mehr Zusammenhalt, viel bessere Kinderversorgung, damit die Mütter arbeiten können etc.
Aber die Nachteile überwiegen halt und deswegen ist es gut wie es ist.
Das erinnert mich an “The Paradox of Choice”
Video: http://video.google.com/videoplay?docid=6127548813950043200
Mindmap: http://www.intenseinfluence.com/materials/The%20Paradox%20of%20Choice.pdf
Im Kern sagt er auch, dass es eine Illusion ist, wenn wir glauben: mehr Wahlmöglichkeiten=glücklicher, und führt verschiedene Beispiele an, wo mehr Wahlmöglichkeiten dazu geführt haben, dass Leute a) weniger zufrieden mit ihrer Wahl waren und b) sich garnicht entschieden haben, weil es zu viele Wahlmöglichkeiten gab.
(Beispiel Marmeladengläser am Tresen im Laden: je mehr verschiedene Sorten angeboten, desto weniger Leute haben gekauft. Je weniger Auswahl an Sorten, desto mehr Leute haben Marmelade gekauft).
Meinst Du das könnten “verwandte Phänomene” sein?
@Kathi: Ich bin überrascht.
@Ramin: Ja das ist es. Es gibt noch einige andere Autoren die sich mit dem Thema beschäftigen: Gerd Gigerenzer, Gregory Berns u.a. Die Illusion das Auswahl Freiheit bedeutet ist trügerisch (so fasse ich es mal zusammen).
Wieso bist du überrascht?
Danke für die Hinweise, von GG und GB habe ich noch nie gehört! Werde mich mal ein bisschen einlesen.
Interessant ist ja vor allem, wie wir trotz der vielen Auswahl 1) gute Entscheidungen treffen können, und 2) auch glücklich mit den Entscheidungen sind.
Kennst Du diesbezüglich etwas?
@Ramin: Gerd Gigerenzer (ist Direktor da wo ich noch 2 Wochen arbeite) und hat diverse Bücher zum Thema Intuition etc. geschrieben und damit auch diverse Buchpreise gewonnen. Such mal nach “Bauchentscheidungen”, “Simple Heuristics that make us smart”, “The adaptive Toolbox” etc. Gregory Berns hat das Buch “Satisfaction” geschrieben. Ich fand es sehr sehr gut.
@Kathi: Ich bin überrascht, dass Du in der DDR geboren bist. Hätte ich jetzt überhaupt nicht gedacht. Wo kommt Ihr denn ursprünglich her? Kannst Du mir auch gern per Mail schreiben, wenn es zu persönlich ist. XING-Profil etc. hast Du und steht auch in meiner Seitenleiste.
Super, danke, da gibt es ja eine ganze Menge Interessantes. Das “Bauchentscheidungen” Buch hielt ich sogar schonmal in meinen Händen
Bloggst Du irgendwo über Deine Arbeit?
@Ramin: Jein. Also wie Du bei XING gesehen hast, bin ich dort wo ich arbeite kein Forscher, sondern technischer Mitarbeiter. Ich blogge über _meine_ Themen. Das sind aber nicht die Forschungsthemen dort – obwohl ich mich natürlich auch dafür interessiere.