Nachtrag zum Beitrag: Bewusste Passivität
Ich denke, dass mein Beitrag zum Thema bewusste Passivität einfach nicht wirklich verstanden wurde, deswegen möchte ich nochmal ganz kurz darauf eingehen.
Sicherlich bedeutet das Wort Passivität für jeden etwas anderes. Jeder hat eine Vorstellung was er damit verbindet und welcher reale Prozess dann abläuft. (Das war übrigens grad das semiotische Dreieck.)
Passivität und Aktivität bilden für mich eine Dichotomie meines Tagesablauf. Dinge, die ich von mir aus machen möchte sind auf der Aktivseite. Dinge, die ich im weitesten Sinne machen muss, oder zu denen ich aus irgendeinem Grund gezwungen werde, sind auf der Passivseite. Natürlich könnte man nun Arbeiten und das Erstellen einer Steuererklärung auch als passiv betrachten, aber das sind Aktivitäten die ich tun muss. Scheinbar gibt es wohl auch Aktivitäten, zu denen man gezwungen ist. Ich brech’ diese Diskussion mal an dieser Stelle ab, weil das einfach zu weit gehen würde.
Was ich eigentlich mit bewusster Passivität meine, ist folgender Sachverhalt. Sicherlich ist es völlig normal an der Kasse anzustehen oder mit der Bahn zur Arbeit zu fahren. Der Umstand verschlimmert sich aber im Bewusstsein, wenn man sich dessen bewusst wird. Man sieht ein, dass man die Zeit eigentlich auch besser nutzen könnte, weil noch soviel anderes zu tun ist. Dieser Schritt, es sich bewusst zu machen, macht alles schlimmer.
Dem interessierten Leser empfehle ich folgende Literatur aus der man einen guten Überblick zum Thema bekommt.
- Satisfaction. Warum nur Neues uns glücklich macht
- Hectors Reise. oder die Suche nach dem Glück
- The Paradox of Choice. Why More Is Less
Alle Werke sind von promovierten Psychologen und Experten auf ihrem Gebiet geschrieben. Bei Bedarf bei mir bzw. bei Jette auszuleihen.


Ich habe grad nochmal etwas im Netz recherchiert. Üblicherweise meint man mit bewusste Passivität, dass man sich bewusst passiv verhält.
Ich meine damit aber eher, dass man sich der Passivität bewusst wird.
Das ist ein enormer und grundsätzlicher Unterschied.
Ich verstehe ganz gut, worauf Du hinauswillst: Manche Dinge im Alltag stören mich auch enorm, weil man zu etwas gezwungen wird, was einem nichts bringt. Beispielsweise (wenn auch vielleicht kein gutes Beispiel) an einer roten Ampel stehen. Was da an Zeit zusammenkommt …
Du schreibst aber nun, dass dies für Dich ein großer Quell von Unzufriedenheit ist. Ich denke zwar, dass es gut ist, wenn man solche Situationen der Passivität zu vermeiden trachtet, andererseits muss man aber auch lernen, diese im Zweifelsfall hinzunehmen – jedenfalls dann, wenn man nichts gegen sie machen kann. Oder besser gesagt: Das Beste daraus zu machen. Jedenfalls bringt es nichts (außer eben Unzufriedenheit), sich über diese “vertane Zeit” aufzuregen.
Danke für den Beitrag.
Sicherlich ist es so, dass man diese Sachen hinnimmt, man ist ja auch dazu gezwungen.
Der eigentliche Punkt an der ganzen Sache ist, dass es erst dann wirklich schlimm wird, wenn man sich dessen bewusst wird. Ich denke das ist auch eine Einsicht die sich in der Psychologie herausgebildet ist. Barry Schwartz (Why more is less) sagt im Buch, dass Menschen die glauben keinen Einfluss auf ihre Situation zu haben, zu Depressionen neigen. Die Einsicht kommt daher, dass man glaubt, alles was in der Umwelt passiert, kann man nicht kontrollieren.
Wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht so ein Mensch. Ich denke das ich meine (direkte) Umwelt halbwegs unter Kontrolle habe. ICH BESTIMME wann ich aufstehe (!), wann und was ich esse, mit wem ich mich treffe und was ich anziehe. Natürlich alles in einem gewissen gesellschaftlich anerkannten Kontext. Man sollte diesbzgl. einfach einfach denken. Man kann nicht (allein) die Probleme der Jungend, der dritten Welt und so fort lösen.
All das sind natürlich, wenn man nicht versteht damit umzugehen, Quellen der Unzufriedenheit. In der Regel sind solche Sachen auch überhaupt nicht relevant. Man nimmt sie hin und gut ist. Kompliziert wird es (für mich), wenn in irgendeiner Weise noch Stress dazukommt. Dann ist es manchmal nicht mehr so einfach, diese Sachen zu bewältigen. Ich denke das Gefühl kennen viele. Wenn man schon unter Zeitdruck steht und der Bus oder die Bahn sich verspäten. Wenn man im Supermarkt wieder die Auszubildende/ den Auszubildenden an der Kasse erwischt hat…