Deutschland: Das Land der Dichter und Denker?
Bereits gestern habe ich kurz etwas aus “Planet Germany” zitiert. Ich lese diese Buch gerade und mir gefällt es immer besser. Die Aussagen des Buches beschäftigen mich immer mehr.
Jeder in diesem Land kennt doch sicher den Ausspruch, dass Deutschland das Land der Dichter und Denker ist. Aber wieso nur? Hier nochmal eine kleine Passage aus dem Buch (und es gibt noch viel mehr gute):
Bei den Nobelpreisen für Literatur bis 2005 sind die Deutschen zwar gut vertreten — mit sieben Preisen schneiden sie eindeutig besser ab als in den Bereichen Politik (vier Friedenspreise) und Wirtschaft (zwei Preise). Doch ihre sieben Literaturtrophäen wirken mickrig, vergleicht man sie einmal mit ihrer Präsenz auf den wissenschaftlichen Gebieten, wo sie stets Platz drei belegen: 14 Medizinpreise, 14 Chemiepreise und 18 Physikpreise. In der Kultur sind sie gut, in der Wissenschaft jedoch ausgezeichnet. Warum ist es ihnen dann so wichtig, sich das Land der Dichter und Denker zu nennen? Was wäre eigentlich so schlimm an “das Land der Kernspalter und Autobauer”?
Also ich persönlich sehe mich keineswegs als Dichter und Denker. Texte von Goethe und Schiller strengen mich eher an. In der Schule waren sie auch immer eine Qual für mich. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich das letzte mal eine Gedicht oder anderes literarisches Werk verfasst habe. Meine Reflektionen über große Werke der Kultur halten sich auch in Grenzen. Ich glaube nicht das es ein Zeichen von Dummheit, sondern eher eines von Desinteresse ist.
Wann habt ihr denn zuletzt freiwillig den Faust gelesen oder euch Gedanken über den Einfluss von Lessing oder Schiller auf die Literatur und euer Leben gemacht?


ich war letzten Mittwoch im Theater bei so einer Art Lesung. Es wurden Texte von Heinrich Heine vorgetragen, abwechselnd mit Musik von Mendelssohn Bartholdy und noch von ‘nem anderen Komponisten (dessen Name mir jetzt leider entfallen ist).
Musik und Text waren weit entfernt von dem, was ich im Alltag höre/lese, trotzdem war es nett und einfach mal etwas anderes… war eben ein Abend, an dem was für die Allgemeinbildung getan wurde.
Nur weil es heißt “Land der Dichter und Denker”, muß sich ja nicht jeder so fühlen und erst recht kein Dichter oder Denker sein. Schon klar, daß man nicht alles toll oder interessant finden muß, aber eine gute Portion Allgemeinwissen kann nicht schaden und macht viele Dinge auch erst interessant. Je mehr man weiß oder mal gehört hat, desto mehr Zusammenhänge versteht man… oder wüsstest du sonst, warum die Leute Schlange stehen, nur um sich so ein lahmes Bild von ‘ner lächelnden Frau drauf anzuschauen..?
Schlange? Lächelnde Frau?
… ich kann dich aber auch etwas verstehen: in der Schule haben wir Goethes ‘Iphigenie auf Tauris’ gelesen, das hat mir damals so gar nichts gesagt und ich fand’s nur ätzend!
Mona Lisa im Louvre in Paris… gemalt von Leonardo DaVinci, kein deutscher Dichter und Denker, aber eines der größten Genies seiner Zeit, na wahrscheinlich nicht nur seiner Zeit.
Nebenbei: ich habe Faust mehrmals gelesen und zwar begeistert gelesen.
Die Bezeichnung Land der Dichter und Denker ist wohl nicht auf den normalsterblichen Deutschen wie dich oder mich zu beziehen sondern vielmehr auf die hohe Anzahl von Gelehrten, Dichtern und Denkern die insbesondere während der Zeit der Aufklärung.
Ich denke, man sollte auf dieses deutsche Kulturgut stolz sein und es bewahren, an andere Generationen weitergeben.